Ein Gastbeitrag von Richard Falconer
Warum eine Klettergruppe meist der richtige erste Schritt ist.
Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten
Wenn ein Kind Interesse am Wettkampfklettern zeigt, verspüren viele Eltern den Druck, schnell handeln zu müssen: mehr Training, Einzelcoaching, zusätzliche Wettkämpfe?
In den meisten Fällen ist der beste erste Schritt jedoch deutlich einfacher: der Einstieg in eine Trainingsgruppe (Squad) in der lokalen Kletterhalle.
Dieser Text erklärt, was Trainingsgruppen tatsächlich leisten, warum sie für den Einstieg meist ideal sind und wie sie Kindern helfen, Struktur, Selbstvertrauen und gesunde Gewohnheiten aufzubauen – ohne sie zu überfordern.
Was eine Trainingsgruppe eigentlich ist
Eine Trainingsgruppe ist in der Regel eine kleine, betreute Gruppe von Kindern, die regelmäßig zusammen trainiert. Die Einheiten sind strukturiert, aber meist weniger intensiv als Einzeltraining oder leistungsorientierte Kaderprogramme.
Gute Trainingsgruppen legen Wert auf:
- grundlegende Bewegungsfähigkeiten
- unterschiedliche Kletterstile
- das Verstehen von Trainingsabläufen
- gemeinsames Klettern mit Gleichaltrigen
Sie führen Struktur ein, ohne Klettern zur „Arbeit“ zu machen.
Warum Trainingsgruppen am Anfang so gut funktionieren
Für die meisten jungen Kletternden bieten Trainingsgruppen drei Dinge, die wichtiger sind als frühe Optimierung:
1. Konstanz
Regelmäßige Termine schaffen Rhythmus. Kinder lernen, wann Training stattfindet, wie lange es dauert und was erwartet wird – ohne sich ständig an Ergebnissen messen zu müssen.
2. Soziale Verankerung
Klettern mit Gleichaltrigen normalisiert sowohl Erfolg als auch Scheitern. Es reduziert Vergleiche mit Erwachsenen und schafft Zugehörigkeit, die Einzeltraining kaum bieten kann.
3. Coaching-Kompetenz
Kinder lernen, wie man trainiert wird: zuhören, ausprobieren, Fehler machen, sich anpassen. Diese Fähigkeit ist lange wichtiger als spezifische Technikdetails.
Trainingsgruppe vs. Einzelcoaching (früh)
Einzelcoaching kann später sinnvoll sein, bringt früh jedoch oft Nachteile:
- Erwartungen steigen zu schnell
- Druck wird sehr persönlich
- Fortschritt wird von Einheit zu Einheit bewertet
- der schützende Gruppenrahmen fehlt
Trainingsgruppen verteilen Aufmerksamkeit, entschärfen Druck und halten Lernen spielerisch und offen. In dieser Phase ist Breite wichtiger als Präzision.
Woran man eine gute frühe Trainingsgruppe erkennt
Achte bei der Auswahl auf:
- Fokus auf Bewegungsqualität statt Grade
- Vielfalt an Stilen und Aufgaben
- Trainer:innen, die Aufmerksamkeit rotieren lassen
- Ermutigung ohne Hype
- Kinder, die müde, aber motiviert nach Hause gehen
Ein gutes Zeichen ist ein Kind, das erschöpft ist und sich trotzdem auf das nächste Training freut.
Warnsignale bei Trainingsgruppen
Vorsicht ist geboten, wenn eine Gruppe:
- Ergebnisse oder Platzierungen verspricht
- Kinder stark vergleicht oder rankt
- sich früh auf eine Disziplin verengt
- Trainingsumfang schnell eskaliert
- Klettern außerhalb der Gruppe entmutigt
Solche Umfelder können Entwicklung verengen, bevor sie stabil ist.
Deine Rolle als Elternteil im Gruppenalltag
In dieser Phase ist deine Rolle vor allem organisatorisch und emotional:
- pünktlich da sein
- Routinen ruhig halten
- zuhören statt analysieren
Vermeide es, jede Einheit zu bewerten. Lass die Struktur für sich wirken.
Wann mehr als eine Trainingsgruppe sinnvoll wird
Es gibt keinen festen Zeitpunkt. Hinweise können sein:
- anhaltende Begeisterung
- Neugier über die Einheiten hinaus
- eigenständiges Üben
- konstruktiver Umgang mit Rückschlägen
Auch dann bleiben Trainingsgruppen oft ein wichtiger Anker.
Abschließende Perspektive
Trainingsgruppen sind kein Übergangszustand. Sie sind ein Fundament.
Sie ermöglichen Struktur, Coaching und Herausforderung, ohne Zeitlinien zu verdichten oder Druck zu erhöhen.
Für die meisten Familien sind sie der sicherste und wirksamste Einstieg ins Wettkampfklettern.
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