Ein Gastbeitrag von Richard Falconer
Eine der ersten und zugleich schwierigsten Fragen, die Eltern stellen, wenn ihr Kind ins Wettkampfklettern einsteigt, lautet: „Will es das wirklich?“
Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten
Zu Beginn wirkt Motivation oft eindeutig. Ein Kind ist begeistert, spricht ständig übers Klettern und möchte trainieren oder an Wettkämpfen teilnehmen. Mit der Zeit wird diese Klarheit fast immer weniger – nicht, weil etwas falsch läuft, sondern weil Motivation kein fester Charakterzug ist.
Zu verstehen, wie sich Motivation verändert, gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten, die Eltern früh entwickeln können.
Motivation ist dynamisch – kein Vertrag
Kinder binden sich nicht an Sport wie Erwachsene. Frühe Begeisterung entsteht meist durch:
- Neuheit
- Freude
- soziale Verbundenheit
- sichtbaren Fortschritt
Mit zunehmender Struktur – Trainingsgruppen, Wettkämpfe, Erwartungen – verändern sich diese Faktoren. Motivation kann schwanken, leiser werden oder vorübergehend verschwinden.
Das bedeutet nicht, dass das Interesse weg ist. Es bedeutet, dass sich das Umfeld verändert hat.
Geliehene vs. eigene Motivation
Ein häufiger Fehler ist es, geliehene Motivation mit eigener Motivation zu verwechseln.
Geliehene (extrinsische) Motivation entsteht durch:
- Lob
- Aufmerksamkeit
- Ergebnisse
- Begeisterung von Erwachsenen
Eigene (intrinsische) Motivation zeigt sich durch:
- Neugier
- selbst initiiertes Üben
- Widerstandsfähigkeit nach Enttäuschungen
- den Wunsch, es erneut zu versuchen – ohne Aufforderung
Geliehene Motivation ist nicht schlecht – aber sie ist fragil. Langfristige Entwicklung gelingt besser, wenn Kinder Schritt für Schritt Verantwortung für ihre eigene Motivation übernehmen.
Warum Motivation oft nach Fortschritten sinkt
Ein Motivationsabfall passiert häufig nach:
- dem Eintritt in eine Trainingsgruppe
- den ersten Wettkämpfen
- Begegnungen mit stärkeren Gleichaltrigen
- dem ersten Leistungsplateau
Das ist normal. Früher Erfolg motiviert, weil er sich leicht anfühlt. Wenn Anstrengung steigt und Ergebnisse schwanken, prüfen Kinder neu, ob sich der Einsatz weiterhin lohnt.
Hier geraten Erwachsene oft in Panik – unnötigerweise.
Die Gefahr der falschen Fragen
Fragen wie:
- „Willst du das noch?“
- „Sollen wir mit Wettkämpfen aufhören?“
- „Bist du sicher, dass du weiter trainieren willst?“
können eine vorübergehende Phase unnötig in eine Grundsatzentscheidung verwandeln.
Hilfreicher sind Fragen wie:
- „Was war heute schwierig?“
- „Was hat dir trotzdem Spaß gemacht?“
- „Möchtest du eine Pause oder eine leichtere Woche?“
Sie halten Wahlmöglichkeiten offen, ohne Druck aufzubauen.
Wann Sorge angebracht ist
Schwankungen sind normal – anhaltender Stress nicht. Achte auf:
- dauerhafte Angst vor Training oder Wettkämpfen
- Schlaf- oder Appetitprobleme im Zusammenhang mit dem Sport
- Vermeidungsverhalten, das auch mit Pausen nicht nachlässt
- Drucksprache, die nicht von dir ausgeht
Das sind Signale zum Innehalten und Zuhören – nicht zum Intensivieren.
Deine Rolle als Elternteil
Deine Aufgabe ist nicht, Motivation zu maximieren – sondern sie zu schützen.
Das bedeutet meist:
- ruhig zu bleiben, wenn Begeisterung schwankt
- Selbstvertrauen nicht „retten“ zu wollen
- Motivation nicht über Belohnungen zu steuern
- Klettern als Teil des Lebens zu sehen – nicht als Ganzes
Motivation erholt sich am besten in einem Umfeld mit wenig Druck.
Abschließende Perspektive
Motivation darf sich verändern.
Kinder können Klettern leidenschaftlich lieben, sich zeitweise etwas distanzieren und später mit größerer Tiefe zurückkehren.
Eltern, die das gut begleiten, betrachten Motivation als Information – nicht als Urteil.
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