1.4 Ziele setzen – ohne sie festzuschreiben

Ein Gastbeitrag von Richard Falconer

Wie Eltern Orientierung geben können, ohne Druck zu erzeugen

Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Sobald ein Kind erste Wettkämpfe klettert, beginnen Eltern ganz automatisch weiterzudenken.

Leise tauchen Fragen auf:

  • Worauf sollten wir hinarbeiten?
  • Gibt es eine klare „Leistungslaufbahn“?
  • Machen wir genug – oder vielleicht schon zu viel?

Ziele können hilfreich sein. Sie können aber auch schnell schwer werden. Dieser Text zeigt, wie man über Ziele und Entwicklungswege nachdenken kann, ohne sie in Druck oder Versprechen zu verwandeln.

Richtung vs. Ziel

Ein hilfreiches frühes Ziel gibt eine Richtung vor – kein festes Endergebnis.

Richtung klingt wie:

  • „Wir probieren dieses Jahr ein paar lokale Wettkämpfe aus.“
  • „Wir schauen, wie regelmäßiges Training gefällt.“
  • „Wir möchten verschiedene Stile kennenlernen.“

Ein fixes Ziel klingt wie:

  • „Sie müssen sich für X qualifizieren.“
  • „Dieses Jahr ist entscheidend.“
  • „Wir peilen den nationalen Kader an.“

Fixe Ziele binden Zeitlinien. Richtung hält Optionen offen.

Warum frühe Ziele kurz und flexibel sein sollten

In den ersten Jahren ist Entwicklung instabil. Wachstum, Koordination, Selbstvertrauen und Interesse schwanken – oft unabhängig voneinander.

Kurze, anpassbare Ziele:

  • reduzieren Druck
  • erlauben Kurskorrekturen
  • machen Erfolg leichter definierbar

Zu früh formulierte Langfristziele werden häufig eher zur Belastung als zur Motivation.

Leistungslaufbahnen verstehen – ohne sie zu idealisieren

Viele Wettkampfstrukturen orientieren sich an:

  • Altersklassen
  • Ergebnissen
  • Auswahl- oder Sichtungsterminen

Wichtig ist: Solche Systeme beschreiben Chancen – nicht Potenzial.

Eine Auswahl spiegelt wider, wer zu einem bestimmten Zeitpunkt unter bestimmten Bedingungen bereit ist. Sie sagt wenig über langfristige Entwicklung aus.

Wie Ziele Verhalten verändern

Sobald ein Ziel ausgesprochen wird, verändert sich Verhalten:

  • Trainingsentscheidungen werden enger
  • Risikobereitschaft sinkt oder steigt ungesund
  • Vergleiche nehmen zu

Das geschieht oft unbemerkt – ist aber wirkungsvoll. Deshalb lohnt es sich, bewusst zu wählen, welche Ziele man vor dem eigenen Kind laut formuliert.

Hilfreichere Fragen zu Beginn

Statt zu fragen:

  • „Worauf arbeiten wir hin?“

können Eltern fragen:

  • „Wie soll sich diese Saison anfühlen?“
  • „Was möchten wir dieses Jahr lernen?“
  • „Woran merken wir, dass es weiterhin Freude macht?“

Diese Fragen stellen Entwicklung über Ergebnis.

Deine Rolle als Elternteil

Deine Aufgabe ist nicht, den Weg vorzugeben.

Sondern:

  • Entscheidungen reversibel zu halten
  • Druck früh zu erkennen
  • Ergebnisse ruhig einzuordnen

Ehrgeiz funktioniert am besten, wenn er von Flexibilität umgeben ist.

Abschließende Perspektive

Ziele sind Werkzeuge – keine Verpflichtungen.

Richtig eingesetzt geben sie Struktur und Orientierung. Zu früh oder zu starr formuliert, können sie Entwicklung verengen.

Die gesündesten Wege sind jene, in denen Kinder in Ziele hineinwachsen dürfen – statt ihnen hinterherzulaufen, bevor sie bereit sind.

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