1.5 Den richtigen Coach finden

Kinder, Alter und Gewichte

und wann Einzelcoaching sinnvoll ist

ein Gastbeitrag von Richard Falconer

Geschätzte : 4 Minuten

Wenn ein Kind regelmäßig trainiert und erste Wettkämpfe klettert, stellen sich für viele Eltern neue Fragen:

  • Braucht mein Kind einen Coach?
  • Ist die aktuelle Betreuung ausreichend?
  • Sollten wir über Einzeltraining nachdenken?

Diese Fragen entstehen meist aus Fürsorge, nicht aus Ehrgeiz. Coaching wirkt wie der Hebel, um „alles richtig zu machen“. Richtig eingesetzt kann es das auch sein. Zu früh oder aus den falschen Gründen eingesetzt, kann es jedoch unbemerkt Druck erhöhen, ohne die Entwicklung zu verbessern.

Dieser Text soll helfen, Coaching bewusst zu wählen – nicht aus einem Gefühl der Dringlichkeit heraus.

Was gute frühe Betreuung wirklich leistet

Im frühen Entwicklungsstadium geht es weniger um technische Tricks oder schnelle Leistungssteigerung. Gute Trainer:innen helfen Kindern dabei:

  • zu lernen, wie man lernt
  • sicher zu experimentieren
  • Frustration auszuhalten
  • Feedback zu verstehen und umzusetzen
  • Selbstvertrauen ohne künstliche Überhöhung aufzubauen

Diese Fähigkeiten wirken langfristig. Sie sind wichtiger als frühe Ergebnisse.

Trainingsgruppe vs. Einzelcoaching

Training in der Gruppe bietet meist:

  • vielfältige Bewegungserfahrungen
  • soziales Lernen
  • geteilten statt personalisierten Druck
  • einen stabilen Rhythmus

Einzelcoaching bietet:

  • individuelle Aufmerksamkeit
  • gezieltes Feedback
  • schnellere kurzfristige Anpassungen

Keines ist grundsätzlich „besser“. Entscheidend ist das Wann und Warum.

In frühen Phasen bietet die Gruppe oft die bessere Balance zwischen Struktur und Schutz. Zu früh eingesetztes Einzelcoaching verschiebt den Fokus häufig vom Lernen auf Leistung.

Wann Einzelcoaching sinnvoll sein kann

Einzeltraining ist besonders hilfreich, wenn:

  • Begeisterung über längere Zeit stabil bleibt
  • ein Kind konkrete Fragen stellt
  • gezielt an bestimmten Themen gearbeitet werden soll
  • es ergänzend zur Gruppe statt ersetzend eingesetzt wird

Dosiert eingesetzt kann Einzelcoaching Verständnis vertiefen, ohne Erwartungen neu zu definieren.

Woran man gute Trainer:innen erkennt

Hilfreiche Fragen im Gespräch können sein:

  • „Wie begleiten Sie Entwicklung in diesem Alter?“
  • „Wie gehen Sie mit Wachstum oder Koordinationsschwankungen um?“
  • „Wie definieren Sie Fortschritt?“
  • „Wie kommunizieren Sie mit Eltern?“

Achte weniger auf absolute Sicherheit in Antworten – und mehr auf durchdachte Prozesse.

Warnsignale

Vorsicht ist geboten, wenn ein Coach:

  • Ergebnisse oder Zeitpläne verspricht
  • in absoluten Aussagen spricht
  • andere Erfahrungen oder Hallen abwertet
  • Trainingsumfang schnell steigert
  • Entwicklung als fragil oder dringend darstellt

Gute Trainer:innen schaffen Raum. Schlechte erzeugen Abhängigkeit.

Trainerwechsel sind normal

Viele Eltern empfinden Loyalitätsdruck und fürchten, ein Wechsel bedeute Undankbarkeit oder Scheitern.

Tatsächlich ist ein Trainerwechsel oft ein normaler Teil von Entwicklung. Unterschiedliche Phasen benötigen unterschiedliche Impulse. Ziel ist Passung – nicht Dauerhaftigkeit.

Deine Rolle als Elternteil

Deine Aufgabe ist nicht, Coaching zu optimieren.

Sondern:

  • Umfelder bewusst zu wählen
  • Kommunikation ruhig und klar zu halten
  • dein Kind vor unnötigem Druck zu schützen

Gute Trainerarbeit entfaltet sich am besten, wenn Eltern die Temperatur senken – nicht erhöhen.

Abschließende Perspektive

Coaching ist ein Werkzeug, kein Abkürzungsweg.

Der richtige Coach zur richtigen Zeit fördert Neugier, Selbstvertrauen und Anpassungsfähigkeit. Die falsche Beziehung – oder die richtige zu früh – kann Entwicklung unbemerkt verengen.

Bewusste Entscheidungen und regelmäßige Neubewertung halten Möglichkeiten offen.

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