vom ersten Boulder bis zum Leistungskader
Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten
Die Frage nach dem richtigen Kletterschuh für Kinder begleitet uns Eltern oft über Jahre. Rückblickend würden wir sagen: Es gibt nicht den einen perfekten Schuh, sondern immer nur den passenden Schuh für den aktuellen Entwicklungsstand des Kindes.
Gretels Weg durch den Boulder- und Klettersport spiegelt das sehr gut wider. Vom spielerischen Herantasten an die Wand bis zum leistungsorientierten Training hat sie ganz unterschiedliche Schuhe getragen und jeder davon hatte zu seiner Zeit absolut seine Berechtigung. In diesem Artikel teilen wir unsere Erfahrungen als Eltern, ergänzt um Gretels eigene Eindrücke aus dem Training.
Warum ein Vergleich sinnvoll ist
Viele Eltern stehen vor denselben Fragen wie wir damals:
- Braucht mein Kind wirklich schon spezielle Kletterschuhe?
- Wann lohnt sich der Umstieg auf „bessere“ Modelle?
- Sind teure Pro-Schuhe für Kinder überhaupt sinnvoll?
Unsere Erfahrung: Ein zu früher Umstieg kann mehr schaden als nützen, ein zu später aber Entwicklung bremsen. Deshalb ordnen wir die getesteten Schuhe nicht nach „gut“ oder „schlecht“, sondern nach Entwicklungsphasen.
Phase 1: Die ersten Schritte – Hauptsache bequem und robust
Red Chili Crocy II – der klassische Einstieg
Der Crocy II war Gretels erster Boulderschuh. Rückblickend würden wir ihn jederzeit wieder kaufen.
- sehr bequem
- komplett neutral (keine Vorspannung, kein Downturn)
- extrem robust
- preislich fair
Für Gretel bedeutete das: keine Ablenkung durch drückende Schuhe, sondern Fokus auf Spaß und Bewegung.
Als Eltern schätzten wir besonders, dass der Schuh viel mitgemacht hat.
Ideal für Kinder, die gerade erst anfangen.
Ocun Ribbit – maximaler Komfort für kleine Füße
Der Ribbit ist noch weicher als der Crocy II und fühlt sich fast wie ein Turnschuh an.
- sehr weich
- angenehm zu tragen
- wenig technische Unterstützung
Gretel mochte ihn besonders an Tagen, an denen sie einfach „rumklettern“ wollte. Technisch stößt er schnell an Grenzen, aber das ist in dieser Phase völlig okay.
Perfekt für sehr junge Kinder oder kurze Sessions.
Phase 2: Regelmäßiges Bouldern – der Wunsch nach mehr Halt
La Sportiva Tarantula JR – der erste spürbare Fortschritt
Mit zunehmender Erfahrung merkte Gretel selbst, dass sie auf kleinen Tritten mehr Halt wollte. Der Tarantula JR war für uns der logische nächste Schritt.
- deutlich besserer Grip
- leichte Struktur, aber weiterhin bequem
- keine echte Eingewöhnungsphase
Für Gretel fühlte sich der Schuh „erwachsener“ an, ohne unbequem zu sein. Für uns Eltern war er der perfekte Kompromiss: mehr Leistung, aber noch kein Pro-Schuh.
Unser Tipp für Kinder, die regelmäßig trainieren, aber noch nicht leistungsorientiert unterwegs sind.
Phase 3: Einstieg ins Pro-Niveau – Technik wird wichtig
Scarpa Drago Kids – der sanfte Einstieg in die Performance-Welt
Der Drago Kids war Gretels erster echter Pro-Schuh und rückblickend ein sehr guter Einstieg.
- moderater Downturn
- spürbare, aber gut kontrollierbare Vorspannung
- deutlich bessere Möglichkeiten für Hooks
Gretel musste sich kurz umstellen, kam aber schnell gut damit zurecht. Aus Elternsicht war das der Moment, in dem klar wurde: Jetzt entwickelt sich Technik, nicht nur Kraft.
Ideal als erster Pro-Schuh für ambitionierte Kinder.
Red Chili Puzzle Kids – mehr Spannung, mehr Anspruch
Der Puzzle ging noch einen Schritt weiter.
- ähnliche Form wie der Drago
- aber deutlich stärkere Vorspannung
- extrem präzise
Gretel brauchte Zeit, um sich an den Schuh zu gewöhnen – inklusive Blasenpflaster in den ersten Einheiten. Danach war die Performance allerdings beeindruckend.
Für uns war klar: Das ist kein Allrounder, sondern ein Werkzeug.
Für Kinder, die wissen, was sie tun – und warum sie diesen Schuh tragen.
Phase 4: Spezialschuhe & Leistungskader
La Sportiva Mythos – Technik, Komfort und Feingefühl
Der Mythos ist eigentlich ein Erwachsenenschuh, funktioniert aber durch die kleinen Größen hervorragend auch für Kinder.
- extrem bequem
- Schnürung bis um die Ferse
- Vorspannung individuell einstellbar
Gretel nutzte ihn gern für Techniktraining oder längere Einheiten. Für uns Eltern war er ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jeder leistungsorientierte Schuh aggressiv sein muss.
Ein großartiger Trainingsschuh, kein Wettkampfschuh.
Mammut Samurai – kompromisslose Performance
Der Samurai war für Gretel der aggressivste Schuh im Test.
- stark asymmetrisch
- radikale Vorspannung
- maximale Kraftübertragung
Gretel beschrieb ihn als „extrem präzise, aber anstrengend“. Genau das trifft es.
Als Eltern würden wir ihn nur sehr gezielt einsetzen – nicht als Alltagsschuh.
Reiner Leistungs- und Wettkampfschuh für sehr ambitionierte Kids.

Überblick: Welcher Schuh passt zu welcher Phase?
| Entwicklungsphase | Unsere Empfehlung |
|---|---|
| Erste Schritte | Red Chili Crocy II / Ocun Ribbit |
| Regelmäßiges Training | La Sportiva Tarantula JR |
| Einstieg Pro-Niveau | Scarpa Drago Kids |
| Mehr Performance | Red Chili Puzzle Kids |
| Technik & Komfort | La Sportiva Mythos |
| Leistung & Wettkampf | Mammut Samurai |
Unser Fazit als Eltern
Gretels Weg hat uns eines deutlich gezeigt:
Der richtige Schuh zur richtigen Zeit ist wichtiger als der teuerste Schuh.
Kinder entwickeln sich schnell – körperlich, technisch und mental. Ein gut gewählter Kletterschuh kann diese Entwicklung unterstützen, ein unpassender sie bremsen oder sogar frustrieren.
Unser Rat:
- Hört auf euer Kind
- Beobachtet, wie es klettert
- Wechselt Schuhe bewusst – nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Bedarf







